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O t t o m a r A n s c h ü t zOttomar Anschütz, Photograph; Erfinder der photographischen Camera mit Schlitzverschluss vor der Platte; Chronophotograph; Ottomar Anschütz, Meister der Augenblicksbilder; Pionier der Pressephotographie und der Photographie für Werbezwecke; Autor; Verleger; Erfinder des Elektrischen Schnellsehers, des Automatenschnellsehers und Projektions-Schnellsehers; Vermarktung, Vertrieb und Weltrechte über Vorführungen „Lebender Photographien“; Vater des urtümlichen Kinos oder der Erfinder des Kinos; photographischer Berater und Lehrer der kaiserlichen Familie.
Ottomar Anschütz (16.05.1846 bis 30.05.1907) Ottomar wurde am 16. Mai 1846 also genau 100 Jahre vor meinem eigenen Geburtsjahr in Lissa (Posen) als Sohn eines weit bekannten Porträt- und Dekorationsmalers geboren, der damals schon mehrere angestellte Maler beschäftigte. Ottomar jedoch zog es gleich zu der noch neuen Photographie als zur Malerei. Ottomar absolvierte von 1864 bis 1868 eine Photographenlehre in Berlin, München und Wien. Zu dieser Zeit machte er seine eigentliche erste Momentaufnahme, als er den König von Sachsen zu Pferde in Wien photographierte. Nach der Lehre übernahm er 1868 das Geschäft seines Vaters in welches er auch gleich ein Photoatelier einbaute und mit seinen Erfindungen des Schlitzverschlusses begann. Er benutzte am Anfang einen Fallbrettverschluss vor der Linse, mit welchem er auch seine ersten bekannten Momentaufnahmen machte und zwar einen Trupp marschierender Soldaten. Als nächstes entwickelte er einen Doppelverschluss mit zwei sich gegeneinander bewegenden Schlitzplatten, welche aber immer noch nicht seinen Qualitätsanforderungen entsprach. Er begann damit einen mit Schlitz versehenen Schieber vor die Platte zu setzen. Nun konnte er mit kurzen Belichtungszeiten auch Objekte in Bewegung photographieren, denn bis zu Ottomars Erfindungen mussten z.B. bei Porträtaufnahmen die Personen bis zu einer halben Stunde ohne Bewegung sitzen bis diese abgelichtet waren. Um seinen Wirkungskreis als Photograph zu vergrößern baute Ottomar, der auch in dieser Angelegenheit der Zeit weit voraus war, ein Wohnmobil mit Vorzelt in welchem ein Photolabor und ein Wohnabteil für 2 Personen eingerichtet war. Von 2 Pferden gezogen konnte Ottomar nun über Land ziehen und seine ersten Momentaufnahmen verbreiten. 1882 begann er mit Hilfe seines Nachbarn, dem Orgelbauer Schneider, die Weiterentwicklung des Schlitzverschlusses vor der Platte. Bei diesem Verschluss befand sich der Belichtungsschlitz in einem kastenförmigen Schieber, an dem oben und unten eine Jalousie angebracht war und das Niederfallen des Verschlusses wurde durch Gummischnüre beschleunigt. Das Auslösen des Verschlusses erfolgte durch Druckluft und die Schlitzbreite wurde verstellbar gemacht. Zur Hilfe kam Ottomar zu dieser Zeit auch die gute Qualität der inzwischen erfundenen Trockenplatten. Nun lag Ottomar Anschütz die Welt zu Füßen, wie er seine Erfindung bis 1888 geheim halten konnte ist mir immer noch ein Rätsel. Die Welt rätselte ebenfalls wie man Objekte in Bewegung so scharf wiedergeben konnte. Der Verein zur Förderung der Photographie in Berlin hat Ottomars Bilder 1883 für das Beste erklärt was sie bis dahin jemals gesehen hatten. Ottomars Gehilfen waren stets seine eigenen Familienmitglieder und ich denke das er dadurch seine Erfindung 6 Jahre geheim halten konnte. Ottomar war mit Hilfe der neuen empfindlichen Trockenplatten und mit seinem Verschluss in der Lage Aufnahmen mit Belichtungszeiten von 1/1000 Sek. zu machen. Noch 1882 begann er damit Tiere und vor allem Pferde in der Bewegung zu Photographieren. Im gleichen Jahr baute er auch seine erste kleine Handkamera mit Rolltuchschlitzverschluss und bekam auf der Photographischen Ausstellung in Brüssel die Bronzemedaille für Momentphotographien. Ottomar´s Leistungen drangen natürlich bis in die Kaiserliche Familie vor, er wurde photographischer Berater, -Lehrer und Vertauter der Kaiserlichen Familie, angefangen von Kaiser Wilhelm I über Friedrich III und Wilhelm der II., ebenfalls pflegte er enge Beziehungen zu der Familie Bismark, welches meine vorhandenen Briefe beweisen. Bei der Beerdigung von Wilhelm I wurde der Trauerzug extra für Ottomar angehalten, damit er bessere Aufnahmen machen konnte. 1883 am 28.Sep. wurde von Ottomar die erste nachrichtliche Photographie im Auftrag des Kaisers hergestellt, bei einem großen Staatsakt der Enthüllungsfeier des Niederwald-Denkmals am Rhein. Im gleichen Jahr machte er die ersten Aufnahmen in der Fluggeschichte und zwar photographierte er Otto Lilienthal bei seinen ersten Flugversuchen vom Fliegeturm und Maihöhe. 1884 photographierte er die Grundsteinlegung des Reichstagsgebäudes in Berlin. Ottomar war somit der erste Bildreporter der Welt. Der entgültige Weltdurchbruch kam aber erst 1894 nach seinen Storchenbildern. Das hatte noch niemand gesehen, wie Störche das Nest anfliegen oder wieder das Nest verlassen mit solch einer ungeheuerlichen Bildschärfe, dass man jede einzelne Feder sehen konnte. Auch Lilienthal kamen die Storchenbilder bei der Konstruktion seines Fluggerätes zu Hilfe. Vom 19-23 Feb. 1884 stellte Ottomar 120 Momentbilder von Pferden im Lauf und vom Manöver im Festsaal des Kriegsministerium aus. Das Photographische Wochenblatt schrieb: Wir müssen diese Bilder für das zweifellos Beste erklären, was wir in dieser Art gesehen haben. Am 15. März 1884 wurden in der Illustrierten Zeitung erstmals in der Geschichte 2 Presse-Photographien durch das Meisenbach´sche Hochdruckverfahren und zwar vom Kaisermanöver bei Homburg abgebildet. Am 1. März 1885 Gründete Ottomar Anschütz seinen eigenen Verlag um die Fülle seiner Momentaufnahmen zu Vermarkten. Viele seiner Aufnahmen von Wildtieren machte er im Presslauer Zoo oder in seiner eigen Zwingeranlage zu Hause in Lissa. Um die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung darzustellen bemalte er selber die Rückwände der Zwingeranlage, hier kam ihm auch die Ausbildung zum Dekorationsmaler bei seinem Vater zugute. Somit konnte man meinen er hätte seine Bilder direkt im Afrikanischen Busch aufgenommen. 1884 begann Ottomar mit seinen ersten Serienaufnahmen mit 12 Phasen der Bewegung, dann später mit 24 Photoapparaten gleichzeitig. Für den Bau dieser großen begehbaren Kameras war natürlich die Werkstatt des Orgelbauers Schneider zu klein, deshalb wurde diese nach Berlin in die Linienstraße verlegt. Für diese Kostenaufwendigen Phasenbilder der Bewegung bekam Ottomar vom Kultusminister Gossler insgesamt einen Zuschuss von 9500 Mark. Am 2. Januar 1896 waren in der Illustrierten Zeitung Leipzig die ersten Serienaufnahmen eines Pferdesprungs zu sehen. Im Königlichen Reitinstitut zu Hannover stellte Ottomar im Auftrag des Kriegsministeriums 100 Serienaufnahmen mit seiner Anlage aus 24 Photoapparaten her und zwar die verschiedenen Gangarten des Pferdes. Auch die Weltbekannten Reihenaufnahmen des Speerwerfers und Steinwerfers, stammen aus diesem Jahr. Ab jetzt machte sich Ottomar Gedanken seine Reihenaufnahmen in Bewegung kleinen Besuchergruppen darzustellen. Nun beginnt ab dem Jahre 1886 Ottomars Geschichte in der Entwicklung des Kinos, obwohl es zu dieser Zeit dieses Wort noch gar nicht existiert. Wieder mit Hilfe des Orgelbauers Schneider konstruierte Ottomar in Lissa den „Elektrischen Schnellseher“ und konnte noch im gleichen Jahr im Kreise seiner Familie den Hürdensprung aus der Militärreitschule Hannover vorführen. Diese ersten beweglichen Bilder waren so präzise, das man selbst die Haare der Mähne und des Schweifes und selbst das Muskelspiel in der Bewegung sehen konnte. Das Datum vom 19. bis 21. März 1887 sollte eigentlich in die Geschichte des Kinos eingehen, denn zum ersten Male wurden bewegliche Bilder öffentlich im Kultusministerium Unter den Linden 4 in Berlin kleinen Besuchergruppen im verdunkelten Erdgeschoss täglich von 12 bis 15 Uhr gezeigt. Minister Gustav von Gossler lud zu diesem Anlass Gäste ein. Das Spiel der Muskeln, das Flattern der Mähnenhaare und des Schweifes, die Bewegung der Ohren und das Hüpfen des Reiters im Sattel wurden geradezu in erstaunlicher Weise wiedergegeben. Vom 16. Juli bis 25. Aug. 1887 konnten 15000 Besucher bewegliche Bilder mit dem verbesserten Elektrischen Schnellseher im Ausstellungspark Stadtbahnbogen 21 gegen Eintrittsgeld in kleinen Gruppen sehen. Der „Elektrischer Schnellseher verbreitete sich schnell weiter und so konnte man bald bewegliche Bilder in Dresden, Frankfurt/Main, Wien, New York, Boston St. Petersburg, Philadelphia und in verschiedenen Deutschen Städten sehen. 1888 zog Ottomar Anschütz nach Berlin in die Charlottenstr. 59 wo er ein Fotostudio eröffnete und auch seine beweglichen Bilder mit dem „Elektrischen Schnellseher“ zeigte. In der Illustrierten Zeitung warb Ottomar erstmals in der Geschichte mit Momentaufnahmen für seine Produkte, somit war er der Erste, der die Photographie für Werbezwecke verwandte. Schnellseher-Vorführungen fanden 1888 auf der photographischen Ausstellung in Brüssel statt und ebenfalls in Florenz. Noch ein Meisterwerk wurde von Ottomar in diesem Jahr bewerkstelligt, er photographierte auf dem Schießplatz der Grusonwerke in Bruckau-Magdeburg bei Tageslicht mit seiner Kamera eine Kanonenkugel im Fluge. Jetzt konnte er sein lange gehütete Geheimnis nicht mehr länger verbergen und baute eine Quadratische Holz-Handkamera mit Schlitzverschluss vor der Platte und ließ diese am 27. Nov. 1888 patentieren, D.R.P. Nr. 49919, das 1. Modell seiner Moment- Handkamera war geboren. Das 2. Modell mit konischen Gehäuse und Zusatzpatenten versehen und auch das 3. Modell seiner Handkamera und alle anderen weiteren Klappkameras wurden bei seinem Freund Carl Paul Goerz bis weit ins 20. Jahrhundert gebaut. Für die großen Verdienste Ottomar´s im Kamerabau, besaßen die Kameras den Faksimile-Schriftzug von Anschütz auf dem Verschlusstuch, „Ottomar Anschütz Lissa (Posen) D.R.Patent No. 49919“, dieses gab es in der Geschichte des Kamerabaus nicht wieder. Auch die Entwicklung der Elektrischen-Schnellseher ging weiter, Ottomar entwickelte den Elektrischen-Schnellseher in Trommelform, mit dem bis zu 6 Bildfolgen „Lebender Photographien“ nacheinander mit schnellem Wechsel betrachtet werden konnten. Mit diesem Trommel-Schnellseher wurde sodann in Berlin, Wien, Weimar und in Ottomars Berliner Geschäft lebende Bilder vorgeführt. In einer Wiener Gastwirtschaft Parkring 2 wurde 1890 täglich von 10 bis 20 Uhr gegen 30 Kreuzer lebende Bilder gezeigt, z.B. laufender Hund, marschierende Soldaten, springende Menschen und Pferde, Tabakschnupfer, Mann mit Schubkarre und andere. 1890 wurde in Berichten über Ottomars Vorführungen auch zum ersten Mal in der Geschichte des Kinos von „Lebende Photographien“ berichtet und gesprochen, deshalb beginnt an dieser Stelle spätestens die Erfindung des heutigen Kinos. Im gleichen Jahr bekam Ottomar auch die Idee, einen Elektrischen-Schnellseher mit Geldeinwurf zu bauen um die „Lebenden Photographien“ Weltweit zu vertreiben und die Menschheit zu unterhalten. Da Ottomar mit den Söhnen von Werner Siemens, Arnold und Wilhelm befreundet war und auch seine guten Kontakte zu Albert Halske pflegte, dem Sohn von Johann Georg Halske, Mitbegründer der Fa. Siemens, war es selbstverständlich das die Elektrischen-Schnellseher-Automaten auch dort gebaut wurden. Jetzt konnte Jedermann, der 10 Pfennig in den Automaten warf, bewegliche Photographien bestaunen. Nach der Frankfurter Elektrotechnischen Ausstellung 1891 auf welcher der Schnellseher-Automat einen großen Erfolg feierte, verbreitete dieser sich auf der ganzen Welt. Nun konnte man bewegliche Bilder in Berlin, Warschau, Lissabon, Malmö, Amsterdam, Brüssel, New York, Paris, Boston, London, Chicago, usw. sehen. In Frankfurt waren dies vom Juli bis Dezember immerhin 17000 zahlende Betrachter oder heute würde man Kinobesucher sagen. In Ottomar´s neuem Geschäft in Berlin Unter den Linden 14 war dieser Automaten-Schnellseher ebenfalls installiert. Vom Juli bis August 1892 war der Automaten-Schnellseher mit Geldeinwurf im Berliner Ausstellungspark Stadtbahnbogen 21 zu sehen, dort wurden Ottomar´s „Lebende Photographien“ von 34000 zahlenden Betrachtern gesehen. 1893 bezeichnete man den Automaten-Schnellseher auf der Weltausstellung in Chicago als Greatest Wonder of the World. Die Photographie wurde allerdings in der Zeit der Schnellseher auch nicht vernachlässigt. das Jahr 1893 sollte auch in die Geschichte der Luftfahrt eingehen, denn Ottomar photographierte ja auch 1884 fliegende Störche, diese Flugbilder verwendete Otto Lilienthal zur Konstruktion seines Flugapparates. Ottomar Photographierte die ersten Flugversuche von Otto Lilienthal, wie dieser vom schrägen Dach seines Holzschuppens auf der Steglitzer Maihöhe absprang. So entstanden eine ganze Serie von Flugaufnahmen von der Maihöhe und dem Fliegeberg in Lichterfelde bis zum Absturz von Lilienthal. In Moedebecks Taschenbuch für Flugtechnik und Luftschiffer 1895 erschien die erste Verkaufsanzeige in der Flugzeuggeschichte und zwar für Segelapparate von Lilienthal mit Momentaufnahme von Ottomar Anschütz. Ottomar wollte mehr, mit Anton Verständig von Siemens & Halske und dem Mechaniker Bödecker konstruierte Ottomar seinen Projektionsapparat, um endlich auch lebende Photographie in Lebensgröße auf eine Leinwand zu projektieren. 1894 wurde nun endlich sein Projektionsapparat für lebende Bilder zum Patent angemeldet. Am 25. November war es endlich so weit, Ottomar zeigte öffentlich Lebensgroße Bewegungsbilder auf einer 6 x8 Meter großen Leinwand im Hörsaal des Postgebäudes in der Artilleriestr. um 12 Uhr vor Gästen des Kulturministers von Gossler und am Nachmittag für wohltätige Zwecke vor Mitgliedern des Photographischen Vereins. Die öffentlichen Vorstellungen liefen bis 30.11.1894. Es wurden der Parademarsch, Schnellfeuer, schreitendes Kamel, Bocksprung und Einseifen beim Barbier gezeigt. Über die Wintermonate wurde der Projektionsapparat verbessert um dann ab 22. Februar im 300 Personen fassenden Saale des alten Reichstagsgebäude in der Leipziger Str. 4 seinen endgültigen Erfolg zu feiern. Definiert man Kinematographie als- Projektion - von beweglichen Bildern - auch lebensgroßen Bildern - mittels photographisch erzeugter Bewegungsbilder - mit inszenierten Szenen - mit Regie für die Darsteller - auf 6x8 Meter großer Leinwand - für 300 Personen gleichzeitig - im verdunkelten Raum - mit wechselndem Programm - gegen Eintrittsgeld - um das Publikum zu unterhalten dann ist mal wieder Ottomar Anschütz der Erfinder des Kinos, wie schon am 25.Nov 1887 Im alten Reichstagsgebäude wurden nun ca. 40 Bildreihen vorgeführt, wie z.B. zwei Zimmerleute frühstückend, Skatspieler, Rauchende Jungen, Einseifen eines Barbiers. Die Eintrittspreise betrugen 1,- bis 1,50 Mark. Da alleine im März 5400 Mark eingenommen wurden, müssen dies also im März etwa 4000 Kinobesucher gewesen sein. Lumiére hatte 9 Monate später am 28.Dezember 50 Zuschauer. Nach den Berliner Vorstellungen soll der Projektions-Schnellseher nach Hamburg geschickt worden sein, wo er im Carl Heckels Concert-Saal Großen Bleichen 32 aufgebaut wurde, 2,-Mark Sitzplatz und 0,50 für Stehplatz, allabendlich ab 20 Uhr. Trotz Projektions-Schnellseher wurden bewegliche Bilder mit dem Automaten-Schnellseher weiter gezeigt. Auf der Italienischen Ausstellung in Hamburg 1895 waren dies nochmals 56645 zahlende Zuschauer und in Lübeck 10152. In Ottomar´s Geschäft wurden diese Bilder bis mindestens 1907 weiter gezeigt. 1896 gründete Ottomar ein Kaufhaus und Unterrichtsinstitut für Amateurphotographie in Berlin W. 66, Leipzigerstr.116 mit mehren Räumen, die mit einem Aufzug verbunden waren. Es gab einen Verkaufsraum, einen besonderen Saal für Ausstellungen, einen Raum um Vergrößerungen nach dem Anschütz System herzustellen und für das Entwickeln von Platten und Filmen. Anschütz setzte sich in seinem Geschäft grundsätzlich für den Verkauf von deutschen Erzeugnissen ein. So kam es auch dazu das Ottomar den neu erfundenen ausländischen perforierten Film wegen erheblicher Qualitätsmängel ablehnte und sich aus dem Kinogeschäft verabschiedete. Ottomar wandelt seine Firma in eine GmbH um. Ottomar´s Geschichte in der Entwicklung des Kinos endete also 1895 nach dem er bis dahin über 1 Million zahlende Zuschauer hatte. Ottomar widmete sich nun wieder ganz der Photographie, veröffentlichte 1897 seine Photographien von den Überschwemmungen der Eglitz und Lomnitz mit einer Widmung der Kaiserin Auguste Victoria. Ein Jahr später fuhr er auf Wunsch des Kaisers mit nach Palästina und begleitete die Kaiserfamilie durch Palästina. Auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers wurden die Photographien auf der Berliner akademischen Kunstausstellung 1899 gezeigt. Somit war Ottomar der erste Künstler der photographisch erzeugte Bilder auf dieser Kunstausstellung zeigen durfte. Auf allerhöchsten Befehl und Widmung der Kaiserin brachte Ottomar einen Bildband von der Palästinafahrt heraus. 1900 erhielt Ottomar auf der Photographischen Ausstellung in Berlin die Goldmedaille für photographische Leistung. Diese Goldmedaille wurde ihm persönlich vom Kaiser auf der Hochkönigsburg überreicht. Ottomar brachte drei Bände in seinem eigenen Verlag über die Photographie im Hause heraus, einen Bildband über das Leben der Kaiserfamilie im Sommergut Cadinen und veröffentlichte seine Photographien der Marienburg in Ostpreußen. Ebenfalls sicherte sich Ottomar bis 1907 20 Gebrauchsmuster und 8 Warenzeichen. 1907 eröffnet Ottomar ein neues Photoatelier und Geschäftsräume in der Potsdamer Str. 4, doch leider verstarb Ottomar bei dem Umzug an den Folgen einer Blinddarmentzündung. Ottomar erhielt ein Ehrengrab der Stadt Berlin, welches bis zu dem heutigen Tage von der Stadt Berlin gepflegt wird und im Andenken seiner großen Leistungen der Photographie und der Entwicklung zum Kino wurde eine Straße nach Ottomar benannt. Die Goerz-Anschütz Reporterkamera wurde noch bis 1928 angeboten und auch danach noch lange benutzt. Der Schlitzverschluss findet in heutigen neuen Kameras immer noch seine Verwendung. Ottomars Lieblingssohn Max Ottomar trat nicht in die Fußstapfen seines Vaters, sondern in die seines Großvaters und studierte nach der Militärzeit Kunst und Sport. Besonderes Gefallen fand Ottomar daran, dass sein Sohn vor dem Studium Leutnant war und so dem Kaiser dienen konnte, wie er selber es sein Leben lang getan hatte. Ottomar hatte mit allen Mittel versucht seinen Sohn Max Ottomar dazu zu bewegen, sein Lebenswerk fortzusetzen. Ottomar drohte sogar mit Enterbung doch Max Ottomar liebte wie schon sein Großvater die Malerei. Der Lebensweg von Max Ottomar Anschütz mit seiner Frau Anni und Sohn Helmut (mein Vater) war mindestens auch so spannend und ereignisreich wie dies von Ottomar Anschütz, wie man in zwei Büchern (Die Arche Noah und der Ebereschenhof) nachlesen kann, die mehrfach neu aufgelegt und viele Sprachen übersetzt wurden. Urenkel
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